kemBA®: Besondere Begleitung auf unserer Früh- und Neugeborenen-Intensivstation
Shownotes
Ein Frühchen oder krankes Neugeborenes auf der Intensivstation zu begleiten, bedeutet weit mehr als medizinische Versorgung. Auf unserer Früh- und Neugeborenen-Intensivstation in der HENRIKE steht deshalb mit kemBA® ein entwicklungsförderndes Konzept im Mittelpunkt, das die Bedürfnisse der Kleinsten und ihrer Familien gleichermaßen in den Blick nimmt.
In der neuen Folge sprechen Heike Brauer, bildungsverantwortliche Pflegefachkraft in der Neugeborenenmedizin, und Christine Lorenz-Wiegand, psychosoziale Elternberaterin, darüber, warum kemBA® vor allem eine Haltung ist: Jedes Kind wird individuell wahrgenommen, Eltern werden von Anfang an aktiv in die Versorgung einbezogen und lernen, die Signale ihres Kindes zu verstehen. Ziel ist es, die Entwicklung der Früh- und Neugeborenen bestmöglich zu fördern und Familien gestärkt auf den gemeinsamen Weg nach Hause vorzubereiten.
Außerdem erfahren Sie, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse hinter dem Konzept stehen, warum Ruhe, Licht und Körperkontakt eine so große Rolle spielen und weshalb die Zusammenarbeit von Pflege, Ärzt*innen und psychosozialer Beratung entscheidend für den Behandlungserfolg ist.
Jetzt reinhören und mehr über das besondere kemBA®-Konzept in unserem Mutter-Kind-Zentrum HENRIKE erfahren.
Transkript anzeigen
00:00:00: Geburtskanal, der Podcast für den besten Start ins Leben.
00:00:04: Eine Produktion für Henrike dem Mutter-Kind-Zentrum in Hannover!
00:00:15: Liebe Zuhörerinnen und liebe Zuhörer, schön dass ihr wieder mit dabei seid.
00:00:18: Heute wollen wir über die Versorgung von Früh- und Neugeborenen auf der früh und neugeborenen Intensivstationen, der Nachsorge in der Henry-Gesprächen.
00:00:28: Das ist ja immer eine ganz belastende Situation wenn so ein Kind vielleicht zu früh ein bisschen kränklich auf die Welt kommt sowohl natürlich für das Neugeborne selber als auch die Eltern.
00:00:36: Meine beiden Gäste werden da gleich noch ganz viel aus erster Hand berichten Und dann spielt eben neben der reinen medizinischen Versorgung auch die Begleitung, die Beratung, die Unterstützung eine ganz ganz wichtige Rolle.
00:00:48: Darüber möchte ich heute sprechen mit Christine Lorenz Wiegandt und Heike Brauer.
00:00:51: schön dass ihr da seid.
00:00:53: Hallo, gerne!
00:00:53: Vielleicht
00:00:54: könnt ihr euch erst mal selber ein bisschen kurz vorstellen.
00:00:56: Wo genau arbeitet ihr?
00:00:57: Was ist eure Berufsbezeichnung und wie sieht euer Alltag aus?
00:01:00: Ich bin Heike Brauer, ich bin Bildungsverantwortliche Pflegefachkraft in der Neugeborene Medizin.
00:01:05: Habe die Qualifikation als pediatrische Intensiv- und anesthesiologische Fachkraft und bin noch neunerthalbegleiterin.
00:01:25: Konzepten für die Einarbeitung, Fortbildung und dergleichen.
00:01:28: Ja ich bin Christine Lorenz Wiegandt.
00:01:30: Ich bin zuständig für den Bereich psychosoziale Beratungen Für Eltern mit früh geborenen und kranken Neugeborenen.
00:01:39: Es hört sich erst mal ein bisschen sperrig an ist aber seit Juli, so zu sagen Pflicht für alle Perinatalzentren Level eins und Level zwei.
00:01:51: Denn hier geht es letztendlich um die psychologische Begleitung der Eltern prä-partal also vor der Geburt und nach der Gebur bis zur Entlassung.
00:02:02: Ich selber bin systemische Familientherapeutin und Traumaterapeuten.
00:02:07: Und gehöre ein Halb der Henrike, und ein halb dem Kinder- und Jugendkrankenhaus auf der Bullt.
00:02:13: Und fülle eben diese Vorgaben inhaltlich und natürlich auch formal für die Vorgabe des GBA aus.
00:02:21: Spannend!
00:02:21: Ihr habt ja wirklich ganz viele Fachtitel und seid da hochspezialisiert im Bereich über den wir jetzt sprechen wollen.
00:02:27: Wir wollen über Kemba sprechen.
00:02:28: Heike, du hast das Wort schon mal in Mund genommen?
00:02:30: Das ist ... Euer Begriff, ein geschützter Begriff.
00:02:33: Was steckt denn hinter diesen fünf Buchstaben?
00:02:35: Camber!
00:02:36: Das ist unser entwickelungsförderndes Konzept und Camber steht für kooperative, entwicklungsfördernde, multiprofessionelle Betreuung auf der Wolt.
00:02:44: Das war einem Preis ausschreiben...
00:02:46: Ach verrückt!
00:02:47: Wir haben damals eine multiproffessionelle Weiterbildung in Heidelberg im E-Fib-Konzept sozusagen gemacht mit Herrn Professor Gutmann als Chefarzt einer Oberärztin aus dem Bereich und einigen Pflegenden und mit mir.
00:03:00: Wir waren eine Woche dort vor Ort und haben uns ganz speziell schulen lassen, mit dem Auftrag damals eben für die zukünftige Henrike ein eigenes Konzept zu erstellen.
00:03:11: Schulungsmanual – dazu gab es eine Ausschreibung für den Namen!
00:03:16: Und es gab ganz viele Vorschläge und das Wort Kemba hat eben sozusagen gewonnen, und ist dann auch markengeschützt worden.
00:03:24: Es gibt ja mittlerweile verschiedene Konzepte die früher neu geboren werden irgendwie helfen sollen trotz Intensivstationen, um sich möglichst gut zu entwickeln.
00:03:32: Neat Cap oder die Heidelberger Ansätze sind da so Begriffe, die ihr mir genannt habt und die auch so Vorreiter sind für entwicklungsfördernde Versorgung.
00:03:39: Vielleicht könnt ihr mal sagen was ... Steckt hinter diesen beiden Konzepten?
00:03:44: Und was habt ihr euch daraus gezogen, wie habt ihr Kemba weiterentwickelt.
00:03:47: Was macht Kemba dann sozusagen besonders und wie baut das darauf auf?
00:03:50: Naja für mich ist sehr prägend Nidcap eigentlich weil dass der Vorreiter ist von Heideliese Alts Merder-Venja ins Leben gerufen eine Psychologin die selber Mutter eines frühgeborenen war und die Ansätze hatte ihr Kind zu beobachten und individuell sozusagen mit seinen Stärken zu fördern und die Schwächen letztendlich über gezielte Unterstützung aufzuheben beziehungsweise auszugleichen.
00:04:20: Dieses Konzept ist aber allumfassend, ja auch nicht ganz günstig und von daher haben wir – ich bin ja dazu gestoßen für DieBult – ein Konzept was wir individuell für unseren Bereich leben können die Kollegen und die Familien und Kinder letztendlich in diesem Konzept integrieren bzw.
00:04:48: mitnehmen, das Mitnehmen ist glaube ich das Wichtigste in dieser ganzen Thematik, die versorgenden Kollegen zu begeistern und letztendling ja den Spirit Umgangs mit Früh- und Neugeborenen, mit Krankenkindern.
00:05:07: Und eben auch mit den Familien aufzugreifen und zu leben?
00:05:12: Ja und ich glaube was wir wirklich sagen müssen ist dass wir nicht
00:05:17: nur
00:05:18: Maßnahmen und Inhalte vermitteln wollen sondern das wir sagen Kemba es eine Haltung.
00:05:23: Und zwar eine gemeinsame Haltung die Kleinsten der Kleinen sowie ihre Eltern sehr individuell zu sehen Und nicht in sechs, acht oder zwölfer Runden zu denken.
00:05:35: Sondern zu schauen was kann jedes einzelne Kind wann mitmachen und wie können wir da auch die Eltern einbinden?
00:05:45: Also eine Entkoppelung eigentlich dieser vorher immer sehr festgezurten medizinischen Richtlinien.
00:05:53: Okay das heißt ihr müsst euch trotzdem noch halten aber ihr macht es anders.
00:05:57: Vielleicht könnt ihr das mal in der Praxis ein bisschen erklären.
00:06:01: Ihr seht die Familie als ganze Einheit, wo ich das verstanden habe... Was bedeutet das?
00:06:07: Was bei uns ganz wichtig ist, dass wir die Eltern einbeziehen und einenbinden im Rahmen ihrer Möglichkeiten und ihrer aktuellen Situation.
00:06:16: Das ist auch ganz individuell zu sehen.
00:06:18: da sind wir sehr froh das wir Louis als Unterstützung beziehungsweise als Fachkraft an unserer Seite haben weil sie den ganz anderen Blick auf die Familien richtet und auf die besondere Situation.
00:06:32: als Pflegekraft ist es das Kind als individuelle See und die Familie als individuelles See.
00:06:39: Das heißt, jeder hat ja so seine Komfortzone und am besten herauszufinden wie kann ich diese Komfortzone am ehesten füllen?
00:06:50: Und meine Komfort zone nicht zurückzustellen sondern so aufzubereiten dass ich das Beste für die Familie und das Kind anbieten kann indem Zeichen frühzeitig erkenne, insbesondere bei unseren kleinen Patienten.
00:07:06: Aber auch die Wahrnehmung letztendlich geschult habe für die Bedürfnisse der Familien.
00:07:12: Du nix, Christine?
00:07:13: Ja ich freue mich dass sie das so dezidiert sagt weil also für mich ist einfach ganz wichtig, dass die Eltern nach ihren eigenen Ansprüchen auch mit einbezogen werden.
00:07:29: Es gibt Familien, die am Anfang gerne nur kuscheln und es gibt aber auch Elternteile, die ihr am Anfang gern mit anfassen und gleich Windeln wechseln wollen und sondieren möchten oder oder oder und das ist einfach wichtig.
00:07:45: wir haben keine Besuchszeiten dass jeder so kommen kann wie es passt und auch sich mit den Pflegekräften absprechen kann, was als nächstes auch möglich ist.
00:07:59: Und die haben so einen guten Blick auf das Kind und auch auf die Eltern, dass sie am und mit dem Kind da eine so großartige und qualitativ hochwertige gemeinsame Arbeit machen, dass es einfach dem Kind und seiner Selbstregulation zugute kommt – und das ist das, was wir später brauchen!
00:08:21: Ist das auch das Ziel?
00:08:22: Du hast das Wort Selbstregulation, du hast gerade Feindzeichen.
00:08:25: Ist das das Ziel irgendwie das Kind sozusagen wahrzunehmen zu lesen und wie schafft man das also?
00:08:31: Wie lerne ich denn so ein Kind zu lesend was ja vielleicht noch ganz winzig und klein ist und irgendein Schläuchen hängt?
00:08:36: Ich glaube Erst mal wichtig ist die wissenschaftliche Grundlage, hat glaube ich dazu Ruth Feldmann geliefert.
00:08:42: Das ist eine israelische Neurobiologin und Psychologin, die viel auf dem Feld des Körperkontaktes Stressforschung und Interaktion zwischen Eltern und Kind beigetragen hat.
00:08:56: Die sagt immer, wenn Eltern und Kind im engen Kontakt sind.
00:09:02: Fördert das nicht nur die Ausschüttung von Oxytocin sondern Stoffwechselprozesse wie auch emotionale Prozesse synchronisieren sich.
00:09:14: Das heißt über die Eltern und eine begleitende Pflegekraft lernen die Kinder Über diese Korregulation.
00:09:23: sich selber zu regulieren
00:09:25: ist ja faszinierend
00:09:26: Total, ist ganz toll.
00:09:29: Und das kann man mittlerweile auch darstellen in bildgebenden Verfahren?
00:09:33: Wow!
00:09:34: Das ist letztendlich das was wir alle später brauchen.
00:09:37: Wir greifen auf die Ideen zurück, die wir korriguliert in der Kindheit bekommen haben und das hinzubekommen Auf einer Intensivstation Ist eine riesige Herausforderung.
00:09:49: Was man auch sagen muss.
00:09:51: es fängt jetzt endlich auch damit an den Kontakt, eine Kontaktebene zu der Familie letztendlich unaufdringlich herzustellen.
00:10:00: Sie mitzunehmen auf eine Reise die sie durchaus selbst mitbestimmen und am ehesten der kleine neue Mensch der Familie Und meine Erfahrung ist Die Eltern sehen uns A als Experten, die möchten aber auch selber zum Experten ihres Kindes werden sind ganz neugierig ja wissbegierig dahingehend, Informationen zu erhalten.
00:10:26: Wie sie am Optimals mit ihrem Kind umgehen und das Optimale entscheidet die Familie für sich.
00:10:34: Das entscheide nicht ich, das entscheidet nicht der Oberarzt.
00:10:37: Das entscheiden die Familie in sich und für sich Und wir sind die Begleiter des Ganzen.
00:10:42: Wir geben unsere Hand und unterstützen letztendlich damit die Eltern Verbindungen erkennen von selber dann in einen Automatismus übergehen.
00:10:54: Also wenn zum Beispiel wir relativ zügig die Eltern mitnehmen und sie die Mahlzeiten sondieren lassen Also über eine Magensonde kriegen die Kleinen am Anfang ihre Mahlzeiten verabreicht und wir sind immer doch sehr bemüht, das zügig an die Eltern zu übergeben.
00:11:12: Aus einem Grund dass die Eltern gerne auch was tun möchten und zum anderen weil die Eltern die Konstante sind und die Eltern haben nur ihr Kind was sie letztendlich versorgen müssen.
00:11:24: Die Pflegekraft hat im Zweifel zwei drei oder vier Kinder Tempo, eine ganz andere Vorgehensweise und dieser Wiedererkennungswert für die Kinder durch die Familien, durch die Eltern das Rendieren ist schon ein großer Benefit.
00:11:40: Und natürlich auch in der heutigen Zeit im Benefit für die Pflegekräfte.
00:11:45: diese Arbeit und dieses Tun letztendlich verantwortungsvoll um gut abgeben zu können
00:11:51: Ja, und durch diese frühe Einbeziehungsmöglichkeit der Eltern ist aus meiner Perspektive ein ganz wichtiger Anteil für die Gesundheitung der Eltern in dieser Zeit auch in Begriffen.
00:12:05: Nämlich dass ihre Selbstwirksamkeit etwas tun zu können wirklich auch beachtet wird.
00:12:12: das finde ich ganz, ganz wichtig.
00:12:14: Also ich komme aus der angewandten positiven Psychologie also nicht von der pathologischen Seite der Psychologie und für mich ist Prävention ganz, Ganz wichtig!
00:12:24: Das Augenmerk wie können die Familien diese manchmal zwölf, sechzehn Wochen mit uns so gestalten dass sie am Ende sagen Ja, das war eine massive Herausforderung für uns.
00:12:39: Aber wir sind auch dran gewachsen und können gut nach Hause gehen in die Welt da draußen.
00:12:44: also wie können sie lernen ihre eigene Welle hier zu reiten ohne dabei krank zu werden?
00:12:49: Das ist ganz wichtig!
00:12:50: Das glaube ich dass es eine ganz besondere Herausforderung ist gerade wenn man das Kind zum Beispiel nicht immer halten kann oder nicht stillen kann oder irgendwas das die dann selbstwirksam trotzdem irgendetwas tun können.
00:13:00: gegen die Natur, ne?
00:13:01: Die sitzen vor dem Inkubator.
00:13:03: Sie sehen das ihr Kind sich bewegt, grimaciert also vielleicht irgendwie weint oder weinen Zeichen zeigt oder Belastungszeichen gähnt oder sich wegdreht oder windet und im Normalfall würde jede Mutter sofort zufassen, dass Kinder nehmen.
00:13:20: und da heißt es aber erst mal only look do not touch ruft die Schwester so und das ist ja auch am Anfang richtig und wichtig Ja, mit der Anleitung da zu leben.
00:13:30: Aber es ist erst mal ganz gegen die älterliche Natur.
00:13:33: Das ist so nicht gedacht!
00:13:36: Wie verändert sich denn?
00:13:36: Du hast gesagt, dass sie auf ihrer eigenen Welle schwimmen.
00:13:38: Wie verändert dich dann eine Elternrolle im Laufe der Zeit, wenn ihr das beobachtet?
00:13:42: Tatsächlich ist die Entwicklung immer sehr, sehr schön und sehr interessant zu sehen.
00:13:47: Muss ich ganz ehrlich sagen weil die Eltern doch relativ zügig zum Experten ihrer eigenen Kinder werden.
00:13:54: ja also das ist auch letztendlich unser Wunsch dass sie ihre Kinder anschauen und dann auch schon das ein oder andere auch mal nicht so gute wahrnehmen.
00:14:05: Und dann sagen irgendwas stimmt heute nicht, mein Kind ist halt deutlich ruhiger oder es ist unheimlich unruhig, das kenne ich so nicht.
00:14:13: können wir nochmal zusammen gucken?
00:14:15: also da das Feingefühl zu kriegen beziehungsweise dann auch mal schon so ein bisschen sich vor ihre Kinder zu werfen dahin gehen zu sagen nie Das ist jetzt zu viel und heute nur das.
00:14:29: Wenn man stimmt nicht, ne?
00:14:30: Genau!
00:14:31: Also da letztendlich schon auch für ihre Kinder zu sprechen und dass sehen wir natürlich immer mit großer Freude weil das dann letztendlig auch der Weg Richtung nach Hause ist.
00:14:42: Der Wegrichtung eines Lebens ohne Backup ja und was ich immer auch ganz wichtig finde die Eltern letztendling zu motivieren weg von den Apparaturen zu kommen, weil das ist natürlich insbesondere für Väter.
00:14:58: Immer entspannt auf dem Monitor zu gucken wenn es da blinkt und diverse unterschiedliche Töne gibt sehr monitor fixiert zu sein dass man dann irgendwann die Familie auch dahin bringt ihr Kind zu sehen, nicht dem Monitor zu sehen sondern ihr Kind zusehen.
00:15:14: Und das ist nochmal eine ganz andere Veränderung gerade wenn die nachher auf unserer Nachsorgestation liegen wo sie noch mehr in die Eigenverantwortung gehen dürfen und dann eben auf den Weg gebracht werden nicht mehr Monitor oder Geräte fixiert zu denken und zu handeln sondern wirklich rein kindorientiert
00:15:33: Ja und ihnen auch beizubringen dass Beziehung Versuch und Irrtum heißt.
00:15:39: Also es geht nicht darum, alles sofort zu erkennen und richtig zu machen.
00:15:45: Also ich sage mal im Beispiel ein Kind gähnt Und die meisten würden dann sagen oh bist du müde.
00:15:51: Das kann aber auch einfach nur ein Zeichen sein Ich brauche eine Pause und dann kannst Du mit mir weitermachen.
00:15:57: Ja also Gähn ist ein zeichen von Belastung, es bedarf der Aufmerksamkeit genauso wie zum Beispiel Schluck auf oder so.
00:16:05: Und das den Eltern mitzugeben und zu sagen jetzt muss es nicht schneller gehen z.B in einer Wickel-Einheit weil das Kind müde ist und es soll schlafen sondern es könnte auch sein es braucht eine Pause und danach ist es wieder aufmerksame Miteinander und der Prozess kann weitergehen also solche Dinge auch gezielt
00:16:23: anzuleiten.".
00:16:24: Das heißt man guckt wann ist es überhaupt bereit dafür?
00:16:27: Jetzt muss es aber sein weil die Urter sagt
00:16:29: Also sowohl in dem Kontext als auch, wenn jetzt vor einer Stunde oder vor anderthalb Stunden die letzte Versorgungsrunde war und das Kind ist unruhig und zuckelt so vor sich her.
00:16:42: Wir haben in der Regel gucken wir schon dass wir alle sechs acht Stunden so in dem Range zumindest einmal das Kind gut im Blick hatten.
00:16:50: also gut im blick heißt ich habe auch das ganze kind im Blick gehabt, das heißt ich habe auch auf den Bauch gucken können.
00:16:57: Ich konnte es berühren ist es peripher warm oder kalt?
00:17:01: also es sind viele Beobachtungssequenzen die wir als Fachpflege wahrnehmen und die für uns auch ein Gesamtbild geben.
00:17:10: und wenn das Kind aber nach zwei Stunden dann Zeichen hat und sich doch auch akustisch gut bemerkbar macht dass man dann eben nicht hingeht und sagt du bist jetzt aber erst in vier Stunden wieder dran sondern dass man dann gezielt guckt, was könnte das Problem dieses Kindes jetzt sein?
00:17:28: Manchmal ist es tatsächlich auch nur einfach ein Positionswechsel.
00:17:32: Also ich möchte ja vielleicht auch nicht die ganze Nacht auf einer Seite liegen.
00:17:37: Das sind immer ganz individuelle Sachen, die letztendlich in der Beobachtung sind und deswegen sind unter anderem ja auch die Stellenschlüsse auf der neonatologischen Station einfach ein bisschen anders als dass im Auge zu haben und individuell jeweils reagieren zu können.
00:17:58: Zum Glück, ne?
00:17:59: Vielleicht könnt ihr noch mal so auf ein oder zwei Inhalte von dem Konzept eingehen.
00:18:02: Licht-und Lärm ist auch ein wichtiges Schlagwort was ich gelesen habe.
00:18:06: Warum und wie wird es umgesetzt?
00:18:08: Letztendlich sollten wir zurückgehen, was wäre eigentlich für einen Frühgebohrnis zu der Zeit noch das Normale geschützt im Mamas Bauch, Lärm gedämpft, Licht gedämmt.
00:18:23: und eben in einer besonderen Bubble nenne ich mal.
00:18:27: Jetzt ist ungefragt, der Weg nach draußen etwas zügiger erfolgt als eigentlich sowohl geplant als auch gebucht muss man ja ganz ehrlich sagen.
00:18:36: Gebucht sind vierzig Wochen und alles ist schön und beschützt und auf einmal ist nach vierundzwanzig, fünfundzwantig, achtundzwandzig Wochen alles anders da.
00:18:46: es ist unsere Aufgabe bestmöglich dem entgegenzuwirken, was das äußere Normalbild ist.
00:18:55: Sondern eben zurückzubrechen und runterzubrechnen auf was hätte das Kind denn jetzt aktuell?
00:19:02: Also wirklich lärmgeschützt einfach ruhige Bewegungen, Licht gedämmt dass eben diese äußeren Einschlussfaktoren ausgeschaltet werden, weil das ist alles wichtig auch fürs Wachsen.
00:19:18: Durch diese geschützte Hülle im Bauch der Mama Lärm, Gräusch und Licht geschützt – das trägt alles zum Wachsen!
00:19:30: und auch natürlich nicht nur zum Wachsen vom Gewicht her, sondern einfach auch vom Kopf.
00:19:36: Und da kann Louis wieder noch mal mehr sagen für die Synapsen und die Verbindungen, die letztendlich in dem Fall dann auch ein großes Stück in unserer Hand liegen?
00:19:46: Ja auf jeden Fall!
00:19:47: Wir sind verantwortlich nicht nur für das was wir nicht tun, sondern auch für das, was wir tun und wie wir es tun im Sinne des Kindes.
00:19:56: Ich komme nochmal zurück auf Ruth Feldmann Stress ist auf jeden Fall ein negativer Aspekt nicht nur für das Gesamtwachstum und die Gewichtszunahme, sondern auch für die Gehirnentwicklung.
00:20:10: Je früher Synapsen-und das limbische System also unser System was auf Stress reagiert lernt, dass Stress und vor allen Dingen negativa Stress den das Kind selber so nicht bewältigen kann ohne Korregulation Viel und ausdauern stattfindet prägt sich das ein, und wird im späteren Leben Auswirkungen haben können.
00:20:32: Und deshalb geht es darum durch all diese Maßnahmen sozusagen den Stress für das Kind so zu minimieren!
00:20:40: Minimieren, anders geht es nicht.
00:20:42: Wir sind ein Krankenhaus aber so zu minimieren dass die kindliche Entwicklung bestmöglich außerhalb des Bauches der Mutter stattfinden kann.
00:20:51: Du
00:20:51: hast selber gerade gesagt ihr seid ein Krankenhaus für euch ist das Alltag.
00:20:54: wie schafft ihr dann trotzdem Sohn Konzept in eurem alltäglichen Alltag konsequent umzusetzen für jedes einzelne Kind?
00:21:01: Tatsächlich fangen wir ja schon in der Erstversorgung beziehungsweise im Kreisei damit an.
00:21:09: Ich komme gerade von dem größten neonatologisch-pediatrischen Intensivkongress und habe Workshops besucht, und wir sind super aufgestellt!
00:21:20: Indem wir für alle Kinder es sei denn, es sind Notfall-Situationen, Reanimationssituationen oder aus mündterlicher Indikation die Möglichkeit nicht.
00:21:29: Aber wir bohren direkt nach der Erstversorgung im Kreisaal konsequent auch mit den Kleinsten mindestens für zwanzig Minuten.
00:21:39: oft schaffen wir auch dreißig Minuten und da fängt das einfach schon an.
00:21:44: ja dass letztendlich die Möglichkeiten geschaffen werden Die Komfortzone, um die es geht für die Familie und das Kind.
00:21:53: Und das trägt sich halt letztendlich direkt mit dem Verschieben in die Neonatologie, dass da das weitergelebt wird.
00:22:03: Da ist wieder der Punkt den Christine vorhin sagte – die Haltung, die innere Haltung!
00:22:09: Dann ist es ein Selbstläufer.
00:22:11: Also wenn man die Innere Haltung hat und weiß welche große Verantwortung wir haben dann fests keiner an den Lichtschalter.
00:22:21: Und die Geräuschpegel sind runtergefahren, die Monitor-Alarme sind runter gefahren und es sind die Visiten außerhalb des Zimmers.
00:22:29: Das sind viele, viele Punkte kleinere und größere, die aber ein ganz großes ergeben.
00:22:34: Deswegen ist das einfach auch ein Konzept Und nicht nur ein Detail.
00:22:38: Genau, und dieses Bonnen ist nicht einfach nur nice to help so als soft skill sondern du hast die zwanzig Minuten benannt ne?
00:22:46: Das sind etwa die Zeit die diese Synchronisierung braucht.
00:22:49: also da auch auf diese wissenschaftlichen Hinweise zurückzugreifen und zu sagen hier das geht nicht mal in fünf Minuten Sondern wir brauchen eine gewisse zeit um auch für die Bezugspersonen und das Kind dieses synchronisieren herzustellen was später so einen positiven Effekt hat
00:23:04: Kann man sich vorstellen ja Ihr habt gesagt, dir würde es nicht passieren einfach mal auf den Lichtscheiter zu drücken.
00:23:08: Das heißt ihr seid ein multiprofessionelles Team.
00:23:11: wer gehört da alles rein?
00:23:12: Also welche Berufsgruppen und wie seid ihr geschult dass ihr diese Feinzeichen erkennt das ihr die Eltern richtig gut betreuen könnt?
00:23:19: Wie sieht euer Team ja eure Teamarbeit aus?
00:23:22: Multi-professionell dahingehend, dass das Leitungsteam alleine schon aus unterschiedlichen Professionen besteht.
00:23:28: Das ist einmal natürlich Professor Gutmann als Chefarzt der Neonatologie im ärztlichen Part vertreten dann Christine Lorenz Wiegandt als psychologische Elternberatung und von der Pflege bin ich im Leitungsteam Und wir gemeinsam schwulen sowohl das ärztliche als auch das pflegerische Team konsequent.
00:23:49: Also, es gehört direkt in die Einarbeitungskonzepte mit rein dass die neuen Mitarbeiter alle diese Module durchlaufen.
00:23:58: aktuell arbeiten wir mit zwei Modulen um letztendlich allumfassend diese Haltung auch irgendwie und den Spirit der dahinter steckt nicht nur zu leben, sondern auch zu übertragen.
00:24:11: Also vieles ist ja tatsächlich wo man vielleicht gerade junge Kollegen noch nie was von gehört hat und letztendlich braucht es da ein Abholen um es dann im täglichen Alltag zu leben Auch mit den Schwierigkeiten die von außen da sind wie weiß jeder Personalmangel und dergleichen das irgendwie auszugleichen.
00:24:34: eben über die Haltungsfrage insbesondere.
00:24:37: Zusätzlich haben wir noch auf jeder neonatologischen Station bei uns eine sogenannte Ruck.
00:24:45: Visite rund ums Kind, wo wir uns regelmäßig zusammensetzen und über die Familien und das Kind sprechen.
00:24:53: Und eben auch überlegen wie weit ist die Familie im Moment schon?
00:24:56: Da ist immer die Rückmeldung aus dem pflegerischen Bereich ganz wichtig.
00:25:00: Was brauchen die Eltern noch für Anleitungen?
00:25:02: Wie weit sind sie bereits mit ihrer feinzeichen Analyse?
00:25:06: was können Sie selber schon?
00:25:09: Sind sie in der Lage direkt und gut auf das kind zu reagieren?
00:25:12: sagen sie selber sie haben noch irgend welche Schulungsbedarfe, also da sind wir ganz eng im Austausch bis zur Entlassung.
00:25:19: Du hast gerade von zwei Modulen gesprochen die ihr schult.
00:25:21: was steckt da inhaltlich dahinter?
00:25:23: damit man sich das noch mal ein bisschen vorstellen kann?
00:25:25: Erstmal holen wir die neuen Kollegen ab dahingehend dass wir in einer entwickelungsfördernden Begleitung arbeiten.
00:25:34: Das ist für die BULT letztendlich unser Chemma Konzept gibt Was ich hinter Chemma hinter dem Buchstaben verbirgt.
00:25:41: Und dann ist es letztendlich, finde ich unsere größte Aufgabe diesen Spirit und diese Haltung einfließen zu lassen und aufnehmen zu lassen.
00:25:52: Das mit einigen verschiedenen Tools natürlich wissenschaftlich belegt.
00:25:56: das ist uns ganz wichtig.
00:25:57: also wir Gucken auch, dass wir uns immer wieder neu orientieren dahingehend.
00:26:04: Dass wir auf dem wissenschaftlich neuesten Stand bleiben weil da auch in diesen Konzepten ist Bewegung.
00:26:09: und was ganz eindrücklich immer ist finde ich Wir lassen eine Selbsterfahrung machen.
00:26:15: also gerade beim ersten Modul kriegen die jungen Kollegen die teilnehmenden Schlafmaske haben so ein zwei Minuten die Möglichkeit sich zu resetten sind dann ganz still, haben auch den Raum ein bisschen dunkler gemacht und lassen sie quasi einen Power-Nap durchleben.
00:26:34: Sollte simulieren wie es den Frühchen
00:26:36: geht?
00:26:37: Genau!
00:26:38: Und dann legen wir quasi los mit allen Einflüssen die einem so auf der neonatologischen Intensivstation oder auch Nachsorgstation eben passieren können, wie unbedacht den Lichtschalter anmachen ohne die Augen vorher bedeckt zu haben.
00:26:55: Auch Gerüche spielen eine große Rolle, Feuchtigkeit das unangekündigt irgendwas machen also wirklich viele Tools die wir mit den Teilnehmenden machen und dann danach auch nochmal eine Minute resetten lassen was dann zurückgespiegelt wird beziehungsweise was wir schon sehen.
00:27:16: also wir hatten durchaus auch schon Kollegen die abbrechen mussten weil das so viel Emotionen aufhört, weil einmal klargemacht wird was für uns ja normal ist und dann nach und nach bauen wir darauf auf lassen die Teilnehmer erarbeiten.
00:27:34: Was ist denn ihrer Meinung nach?
00:27:37: Die Empfindung und die Wahrnehmung von Eltern oder eben auch eines Frühgeborenen in den ersten achtundvierzig Lebenstunden Wie sage ich was?
00:27:46: welchen Eltern?
00:27:47: Also, wir nehmen sie mit in einer Welt die wir für Sie eröffnen wollen.
00:27:53: letztendlich.
00:27:54: Im nächsten Schritt zeigen wir dann Videos von Kindern und Versorgungsrunden Wir haben dafür einen Zettel entwickelt, wo sozusagen unterschiedliche Feindzeichen draufstehen und dann sollen die Kolleginnen und Kollegen einfach mal diese Videos betrachten.
00:28:11: Und für sich selber herausfinden welche Feind Zeichen sehen sie denn?
00:28:15: Was bedeuten die in dem Moment?
00:28:17: Der Vorteil ist dass wir immer wieder vor uns zurückspulen können und sozusagen dieses Training auch ermöglichen können und das bringt eine ganze Menge.
00:28:27: Vor allen Dingen so in der Aufklärung gehen es nicht nur Müdigkeit oder
00:28:32: Was würdet ihr dann sagen, ist das übergeordnete allergrößte Ziel von Kemba?
00:28:36: Die Familien als Gesamtes zu sehen und in ein sicheres, wohlbehütetes und liebevolles Zuhause zu entlassen.
00:28:42: Und die Entwicklung des Kindes letztendlich ja über diesen Klinikaufenthalt hinaus liebevoll weiterzugestalten und vorwärtszugestalten?
00:28:53: Ja so würde ich es auch sehen.
00:28:54: Das Outcome des Kindens hängt vom ganzen Drumherum ab und das sollte unser größtes Ziel sein da die Familie als System zu sein.
00:29:03: Wie ist das denn?
00:29:04: Ist so ein Entwicklungsförderendes Konzept Pflicht auf so einer Neointensiv, oder ist es besonders dann auch?
00:29:09: Also bisher ist es definitiv nicht Pflicht, sondern eben die Haltung und die Wertigkeit des jeweiligen Klinikums.
00:29:17: Und wir haben uns für eine hohe Wertigkeit in diesem Kontext entschieden.
00:29:21: Es gibt seit einigen Jahren das Chemma-Konzept und wir leben und bauen es zunehmend aus und nehmen mittlerweile seit diesem Jahr sogar unsere Auszubildenden unserer eigenen Pflegeschule mit und haben damit begonnen... auch die Auszubildenden in diesem Kontext zu schulen.
00:29:42: D.h.,
00:29:43: man müsste in Deutschland weitfahren, wenn man so was noch mal haben will?
00:29:46: So klingt das ... Ja, Heidelberg!
00:29:50: Wow!
00:29:51: Also damit sind wir wirklich etwas richtig, richtig Besonderes, ne?
00:29:54: Was würdet ihr dann zum Schluss als positive Botschaft Eltern mit auf den Weg geben?
00:29:59: Sie sind nicht allein.
00:30:01: Wir begleiten sie und unterstützen sie und breiten sie vor für ihr Leben letztendlich mit ihrem Kind als Familie, über den stationären Alltag hinaus.
00:30:18: Ja und aus meiner Perspektive würde ich sagen jede Emotion ist auf dem Weg in Ordnung, darf gefühlt gelebt und erfahren werden.
00:30:28: Und gehört auf jeden Fall auf dem Weg mit dazu auch für den Verarbeitungsprozess, denn nur wenn ich mal meinen Stress wahrnehme und auch traurig bin über bestimmte vielleicht auch kleine Rückschritte kann ich auf der anderen Seite dann nur die Freude über Fortschritt genießen.
00:30:46: Mir geht es darum dass die Eltern fühlen und erleben können was Positiv ist Genauso wie das andere, weil das andere steht häufig im Vordergrund.
00:30:58: Und dieses Savoring, also das Genießen von guten Momenten mit dem Kind aber vielleicht auch als Paar was auch durch diese Zeit gemeinsam geht, das finde ich ganz wichtig.
00:31:09: und wenn die so sagen wir letzte Woche eine Familie, hallo wie bestimmt?
00:31:13: Wir haben unsere Welle geritten, wir reiten jetzt nach Hause und wir fühlen uns gut vorbereitet.
00:31:18: Das ist ein super tolles Team hier.
00:31:20: dann finde Echt eine ganze Menge geschafft.
00:31:24: Schöne abschließende Worte, ich find's wirklich beeindruckend wie viel auf so einer früh und neu gebronnenen Intensiv über diese reine Medizin hinweg ihr dann leistet.
00:31:31: also ganz toll was ihr da für Arbeit macht und schön dass es dieses Konzept gibt.
00:31:36: schön das ihr heute da wart macht genau weiter so.
00:31:39: danke
00:31:39: Danke.
00:31:40: auch wir danken auch.
00:31:41: Geburtskanal der Podcast für den besten Staat ins Leben Eine Produktion für Henrike dem Mutterkindzentrum in Hannover.
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